Ratgeber

Getränkekarte kalkulieren

Stand: 27. August 20263 Min. Lesezeit

Einen Drink durchzurechnen ist eine Fingerübung. Die Karte ist die eigentliche Aufgabe: dreißig, fünfzig, achtzig Positionen — und alle hängen an denselben Einkaufspreisen. So gehst du sie einmal sauber durch, ohne dich zu verzetteln.

Aufgeschlagene Getränkekarte auf einem Bartresen, dahinter Gläser im warmen Licht
Der Ablauf

In vier Schritten einmal durch die Karte

Schritt 1: Aktuelle Einkaufspreise sammeln

Grundlage ist die letzte Preisliste deines Lieferanten — nicht die vom Jahresanfang und nicht die Zahl aus dem Kopf. Achte darauf, ob die Preise netto oder brutto ausgewiesen sind; der Großhandel rechnet meist netto, und die ganze Kalkulation muss auf einer Basis stehen.

Schritt 2: Jede Position auf Portionskosten bringen

Für jede Position: Gebindepreis durch Gebindegröße teilen, mit der Ausschankmenge multiplizieren, bei Cocktails alle Zutaten addieren. Die Formel mit einem komplett durchgerechneten Beispiel steht im Artikel Wareneinsatz berechnen. Bei reinen Flaschen- und Fassprodukten ist es eine Zeile; bei Cocktails lohnt ein Werkzeug, das die Rezeptur schon kennt — im kostenlosen Rechner sind Zutaten und Mengen für hunderte Klassiker vorbelegt.

Ergebnis-Karte des Blurko-Rechners: Der Gin Tonic kostet mit Richtwerten 1,07 € Einkauf pro Glas.
So sieht Schritt 2 im Rechner aus: Rezeptur und Richtwerte sind vorbelegt, jedes Feld ist mit deinem Einkaufspreis überschreibbar — Klick aufs Bild öffnet genau diese Ansicht.

Schritt 3: Die Quote je Position bestimmen

Portionskosten geteilt durch den Nettoverkaufspreis, mal hundert — das ist der Wareneinsatz in Prozent. Denk an die Mehrwertsteuer: Der Kartenpreis ist brutto, beim Ausschank im Lokal müssen erst 19 % raus (Kartenpreis ÷ 1,19), sonst rechnest du dich besser, als du bist.

Schritt 4: Die Karte als Ganzes lesen

Erst jetzt wird es interessant: Sortiere die Positionen nach Quote und schau dir die Ausreißer an. Nicht jede Position muss gleich rechnen — aber du solltest bei jeder wissen, warum sie steht, wo sie steht.

Einordnung

Nicht jede Position rechnet gleich

Kaffee, Cocktails und offener Wein bewegen sich im deutschen Ausschank in verschiedenen Korridoren — das ist keine Schieflage, sondern der Normalzustand einer Karte:

Übliche Wareneinsatz-Korridore im deutschen Ausschank
WasWareneinsatz
Kaffee8–10 %
Cocktails18–25 %
Offener Wein22–25 %
Getränke gesamt15–25 %
Was am Ende Gewinn bleibt5–10 % vom Umsatz

Wareneinsatz jeweils als Anteil am Umsatz ohne Mehrwertsteuer; die letzte Zeile meint den Gewinn nach allen Kosten und einem realistischen Unternehmerlohn. Quellen: gastronovi, kitchencost.app, gastroinsider, heptic (Juli 2026), restauranthero.de, thebrandingclub.com und der Finanzamt-Richtwert für Bar-Wareneinsatz bei Betriebsprüfungen (September 2026, Cocktails-Zeile korrigiert). Korridore, keine Vorschriften — eine Hotelbar rechnet anders als eine Kneipe.

Die Korridore sind Beobachtungen, keine Zielvorgaben — aus ihnen lässt sich kein Verkaufspreis ableiten, und welcher Preis für deinen Betrieb richtig ist, entscheidet niemand außer dir. Wofür sie taugen: Eine Position, die weit außerhalb ihres Korridors liegt, verdient einen zweiten Blick. Vielleicht ist das Absicht — der Signature Drink, das Lockangebot. Vielleicht ist es aber auch nur ein Einkaufspreis, der gestiegen ist, ohne dass es jemand gemerkt hat.

Der Haken

Eine Karte ist nie fertig kalkuliert

Der Moment, in dem die Kalkulation kippt, kündigt sich nicht an: Der Lieferant schickt eine neue Preisliste, eine Flasche kostet ein paar Cent mehr, niemand liest das Kleingedruckte. Pro Drink klingt das harmlos — aber eine einzige Zutat steckt oft in einem Dutzend Positionen deiner Karte. Steigt der Gin-Preis, verteuert sich nicht ein Drink, sondern die halbe Longdrink- und Cocktailseite auf einmal.

Deshalb ist die Kartenkalkulation kein Projekt, das man abschließt, sondern eine Routine: Bei jeder neuen Preisliste die geänderten Einkaufspreise eintragen und schauen, welche Positionen sich bewegt haben. Von Hand heißt das, jede betroffene Rezeptur einzeln anzufassen — genau die Arbeit, die in Blurko wegfällt, weil ein geänderter Einkaufspreis alle Rezepte gleichzeitig neu rechnet.

Gin steckt in 111 von 779 Rezepten der Bibliothek — zum Beispiel:

Stand der Bibliothek, live gezählt. Steigt der Einkaufspreis dieser einen Zutat, bewegen sich alle diese Positionen gleichzeitig.
Zum Ausprobieren

Fang mit einem Drink an

Der einfachste Einstieg in die Kartenkalkulation ist eine einzelne Position, die du gut kennst. Diese Klassiker sind mit Rezeptur und Richtwerten aus dem Gastro-Großhandel komplett durchgerechnet — mit deinen eigenen Einkaufspreisen überschreibbar, kostenlos und ohne Konto:

Häufige Fragen

Kurz beantwortet

Wie kalkuliert man eine Getränkekarte?

In vier Schritten: aktuelle Einkaufspreise vom Lieferanten sammeln, jede Position auf Portionskosten bringen (Gebindepreis ÷ Gebindegröße × Ausschankmenge), die Quote je Position rechnen (Portionskosten ÷ Nettoverkaufspreis × 100) — und zuletzt die Karte als Ganzes lesen: nach Quote sortieren und die Ausreißer anschauen.

Müssen alle Positionen einer Karte gleich kalkuliert sein?

Nein. Kaffee, Cocktails und offener Wein bewegen sich im deutschen Ausschank in verschiedenen Korridoren — das ist der Normalzustand einer Karte, keine Schieflage. Wichtig ist nur, dass du bei jeder Position weißt, warum sie steht, wo sie steht.

Wie oft muss eine Getränkekarte neu kalkuliert werden?

Bei jeder neuen Preisliste des Lieferanten. Kartenkalkulation ist kein Projekt, das man abschließt, sondern eine Routine: die geänderten Einkaufspreise eintragen und schauen, welche Positionen sich bewegt haben.

Warum verändert ein einzelner Einkaufspreis die halbe Karte?

Weil eine einzelne Zutat oft in einem Dutzend Positionen steckt. Steigt zum Beispiel der Gin-Preis, verteuert sich nicht ein Drink, sondern die halbe Longdrink- und Cocktailseite auf einmal — während die Kalkulation noch die alten Zahlen zeigt.

Rechnen statt lesen?

Im kostenlosen Rechner trägst du deine eigenen Einkaufspreise ein und siehst sofort, was pro Glas übrig bleibt — ohne Konto. In Blurko bleibt die ganze Karte stehen und rechnet sich neu, sobald ein Einkaufspreis sich ändert.