Stand: 27. Oktober 2026 · jeden Dienstag neu · alle Beträge netto, also ohne Mehrwertsteuer, außer bei den Händlerlisten (dort steht nicht, ob netto oder brutto)
„Aufs Haus" bringt dir jeden Dienstag das Wichtigste aus Bar und Gastronomie und Tipps, wie du im Betrieb Geld sparst. Jede Zahl hat eine Quelle mit Datum, Geplantes heißt hier „geplant", bis es beschlossen ist. Was du daraus machst, entscheidest du.
Kurz gesagt
- Fassbier: Ab 1. November werden Fässer von AB InBev teurer (Beck's, Franziskaner, Spaten, Löwenbräu, Hasseröder und weitere). Laut zwei Händlerlisten sind das 1,5 bis 5,5 Cent mehr je 0,5 l, je nach Marke und Händler.
- Spirituosen und Sekt: Die Steuer soll ab Januar um 20 % steigen, weiter geplant. Ein Händler druckt den Aufschlag schon in seine Liste; nachgerechnet sind es +0,73 € je 0,7-l-Flasche mit 40 %. Anhörung im Bundestag am 9. November.
- Zuckersteuer: weiter geplant ab 1. Juli 2027, aber der Start ist umstritten. CSU-Landesgruppenchef Hoffmann wünscht sich den 1. Januar 2028.
- Gastronomie im August: 2,4 % mehr Euro in der Kasse als vor einem Jahr, aber preisbereinigt 5,4 % weniger verkauft (Statistisches Bundesamt).
- E-Rechnung: Ab 1. Januar 2027 müssen Lieferanten mit mehr als 800.000 € Jahresumsatz E-Rechnungen schicken, also Dateien, die ein Programm lesen kann; Papier und einfaches PDF reichen dann nicht mehr.
1 · Fassbier: ab 1. November teurer
AB InBev erhöht zum 1. November 2026 die Preise für Fassbier. Das steht in den Preislisten zweier Getränkegroßhändler; die Fachpresse hatte es schon im August gemeldet.
| Fass | Händler A | Händler B | mehr je 0,5 l |
|---|---|---|---|
| Beck's 50 l | +2,00 € | +4,50 € | 2,0 bis 4,5 Cent |
| Franziskaner Weißbier 50 l | +2,00 € | +4,50 € | 2,0 bis 4,5 Cent |
| Hasseröder 50 l | +3,00 € | +4,50 € | 3,0 bis 4,5 Cent |
| Löwenbräu Hell 50 l (A: Original Hell, B: Münchner Hell) | +1,50 € | +4,50 € | 1,5 bis 4,5 Cent |
| Spaten Münchner Hell 50 l | +3,50 € | +5,50 € | 3,5 bis 5,5 Cent |
| Beck's 30 l | +1,20 € | +2,70 € | 2,0 bis 4,5 Cent |
Auf beiden Listen stehen außerdem Bud, Corona, Diebels Alt, Haake-Beck und San Miguel vom Fass. Warum dasselbe Fass bei Händler A 2,00 € und bei Händler B 4,50 € mehr kostet, steht in keiner Liste. Händler B nennt in seiner Liste zusätzlich eine empfohlene Erhöhung des Verkaufspreises; das ist weder dein Einkaufspreis noch unsere Empfehlung. Ob die Beträge netto oder brutto gemeint sind, steht in keiner der beiden Listen; wir rechnen sie so, wie sie dastehen.
Im Glas heißt das (Erhöhung je Fass geteilt durch die Liter, ohne Schankverlust): je 0,3 l 0,9 bis 3,3 Cent, je 0,5 l 1,5 bis 5,5 Cent mehr Einkauf. Je 100 verkaufte halbe Liter Spaten sind das 3,50 € bis 5,50 € mehr.
Was für 2027 schon angekündigt ist (Händler A, Stand 26. Oktober): zum 1. Januar Beck's Dosen +2,00 € je 24 × 0,5 l und Perfect Draft +0,50 € je 6-l-Fass; für das übrige Fassbier-Sortiment von AB InBev sowie Carlsberg steht dort „Info folgt". Fever-Tree und Tiger Beer stehen für den 1. Februar auf der Liste, Brown-Forman für den 1. März, Beträge noch offen.
Auch alkoholfrei wird es teurer: Sinalco kostet ab 1. November je 24 × 0,33 l +0,60 € (Händler A) bzw. +0,75 € (Händler B), also 2,5 bis 3,1 Cent je Flasche. Bei Händler B steigen auch die Wasser Rheinfels und Aquintell um +0,50 € je 12 × 1 l.
Korrektur zu Nr. 1: Dort stand, wir hätten bei Bier keine Preiserhöhung gefunden. Das war zu kurz geprüft: Wir hatten nur eine Nachrichtenseite gelesen, nicht die Preislisten der Händler. Ab jetzt gehören die Händlerlisten jede Woche dazu.
2 · Spirituosen und Sekt: Ein Händler rechnet den Aufschlag schon vor
Die Steuer auf Spirituosen, Sekt und Likörweine soll zum 1. Januar 2027 um rund 20 % steigen (Haushaltsbegleitgesetz 2027, Drucksache 21/7860). Stand heute: weiter geplant, nicht beschlossen.
Was Nr. 1 noch nicht hatte: Ein Großhändler druckt den Aufschlag schon in seine Liste, mit den Vermerken „Erhöhungssätze OHNE Gewähr" und „Hinfällig, wenn Steuer nicht kommt". Über ein Dutzend Spirituosen- und Sekthersteller kündigen dort „vorsorglich" neue Preise zum 1. Januar an, Beträge folgen noch. Bei sieben Herstellern steht ausdrücklich „Alk.Steuer on top": eine eigene Erhöhung plus die Steuer.
| Flasche | mehr Steuer, wenn sie kommt |
|---|---|
| Spirituose 0,7 l, 40 % (Wodka, Gin) | +0,73 € |
| Spirituose 0,7 l, 37,5 % | +0,69 € |
| Spirituose 1 l, 40 % | +1,04 € |
| Sekt 0,75 l | +0,20 € |
Im Glas: je 4 cl einer 40-prozentigen Spirituose +4,2 Cent Einkauf, wenn der Lieferant genau die Steuer weitergibt. Mit „on top" wird es mehr.
Achtung, brutto und netto: In manchen Berichten stehen „knapp 90 Cent" oder „rund 87 Cent" je Flasche. Darin steckt die Mehrwertsteuer (0,73 € × 1,19 = 0,87 €). Kaufst du mit Vorsteuerabzug ein, rechnest du mit 0,73 €.
Wie es weitergeht: 9. November Anhörung im Finanzausschuss genau zu diesen Steuern; 12. November Bereinigungssitzung im Haushaltsausschuss; am 27. November soll der Bundestag den Haushalt 2027 verabschieden. Für das Begleitgesetz mit den Steuersätzen ist der Abstimmungstermin weiter nicht veröffentlicht.
3 · Zuckersteuer: Starttermin wackelt
Das Kabinett hat die Zuckergetränkesteuer am 14. Oktober beschlossen: 26 Cent je Liter ab 5 g Zucker je 100 ml, 32 Cent ab 8 g, Start 1. Juli 2027; Sirup und Postmix für die Gastronomie nach Mischverhältnis (Einzelheiten in Nr. 1). Was Nr. 1 noch nicht hatte:
- Unionsfraktionschef Thorsten Frei fordert Übergangsfristen, CSU-Landesgruppenchef Alexander Hoffmann nennt den 1. Januar 2028 als Wunschtermin, damit Hersteller ihre Rezepte umstellen können.
- Acht Verbände der Lebensmittel- und Getränkewirtschaft haben eine Plakatkampagne gestartet und halten den Juli 2027 für „nicht realistisch".
- Der DEHOGA Berlin sieht die Pläne weiter kritisch.
Für deine Kalkulation: Bis das Gesetz beschlossen ist, bleibt es bei „geplant ab Juli 2027". Bei klassischer Cola mit Zucker wären das +6,4 Cent je 0,2-l-Glas, wenn der Satz von 32 Cent kommt und genau weitergegeben wird.
4 · Gastronomie im August: mehr Euro, weniger verkauft
Das Statistische Bundesamt hat am 20. Oktober die Umsätze für August 2026 gemeldet (vorläufig, kalender- und saisonbereinigt, ohne Mehrwertsteuer):
| Gastronomie | zum Juli 2026 | zum August 2025 |
|---|---|---|
| Umsatz in Euro | −1,7 % | +2,4 % |
| Umsatz preisbereinigt | −1,8 % | −5,4 % |
So liest du das: In der Kasse lagen im August 2,4 % mehr Euro als vor einem Jahr. Rechnet man die gestiegenen Preise heraus, hat die Gastronomie (Restaurants, Cafés, Bars, Kneipen, Caterer zusammen) 5,4 % weniger verkauft. Für das ganze Gastgewerbe mit Hotels sind es preisbereinigt −4,2 %.
Aus der Bar-Welt: Der Bar Convent Berlin (12. bis 14. Oktober) zählte rund 11.000 Fachbesucher, in den Jahren 2023 und 2024 waren es jeweils über 15.000. Bei der Eröffnung ging es um steigende Betriebskosten und unsichere Steuerpläne. 2027 dauert die Messe nur noch zwei Tage (4. und 5. Oktober).
5 · E-Rechnung: ab Januar kommt die Rechnung als Datei
Ab 1. Januar 2027 müssen Unternehmen, die 2026 mehr als 800.000 € Umsatz hatten, anderen Unternehmen E-Rechnungen schicken. Das ist eine Datei, die ein Programm lesen kann (XRechnung oder ZUGFeRD); ein einfaches PDF oder ein Scan zählt nicht. Ab 2028 gilt das für alle außer Kleinunternehmern. Empfangen können musst du E-Rechnungen schon seit 2025. Ausgenommen sind Kleinbetragsrechnungen bis 250 € brutto.
Was das für deinen Einkauf heißt: Große Großhändler und Brauereien liegen über der Grenze. Metro schreibt auf der eigenen Kundenseite, dass Papierrechnungen ab Januar „grundsätzlich nicht mehr zulässig" sind; die Rechnungen kommen dort über das Kundenkonto. Eine Erleichterung: Laut Bundesfinanzministerium (Schreiben vom 15. Oktober) reicht es bei Rechnungen bis Ende 2027, wenn im maschinenlesbaren Teil nur die Summen je Steuersatz stehen und die einzelnen Artikel in einer Anlage.
Geld sparen im Betrieb
Tipp 1 · Preisbrief gegen Liste prüfen
Dasselbe 50-l-Fass Beck's: bei Händler A 2,00 € mehr, bei Händler B 4,50 €. Frag deinen Händler, um wie viel genau dein Fass ab 1. November steigt, und leg die erste Novemberrechnung neben die Ankündigung. Und rechne die Zahl einmal selbst nach: In einer der beiden Händlerlisten stehen für den Steueraufschlag bei 1 l mit 37,5 % 0,74 € und bei 0,7 l mit 40 % 0,98 €. Nachgerechnet sind es 0,98 € und 0,73 €; die beiden Beträge sind dort offenbar vertauscht. Wer mit 0,98 € je 0,7-l-Flasche rechnet, setzt 25 Cent je Flasche mehr an, als die Steuer ausmacht.
Tipp 2 · Mit verkauften Gläsern rechnen, nicht mit Litern
Aus 50 Litern werden nie 100 volle halbe Liter: Schaum, Tropfschale, Leitungsreinigung, das erste Glas nach dem Anstich. Beispielrechnung für eine erfundene Kneipe: Holt sie 92 verkaufte Gläser aus dem Fass, trägt jedes Glas 1/92 der Erhöhung. Bei 4,50 € mehr je Fass sind das 4,9 Cent je Glas statt 4,5 Cent. Zähl bei den nächsten zwei Fässern mit, wie viele Gläser du wirklich verkaufst, dann kennst du deine echte Zahl.
Tipp 3 · Jetzt klären, wohin die Rechnungen ab Januar gehen
Frag deine größten Lieferanten noch im November, wie ihre Rechnungen ab Januar kommen (Mail, Portal, Kundenkonto), und nenn ihnen eine feste Adresse für Rechnungen. Wer die Rechnungen an einer Stelle hat, findet im Januar die neuen Preise schneller und merkt eher, wenn ein Preis anders ist als angekündigt.
Glas der Woche: Bier vom Fass
Was die Fass-Erhöhung ab 1. November je Glas kostet (Einkauf, Beträge wie in den Listen, ohne Schankverlust):
| Glas | Beck's 50 l (+2,00 € bis +4,50 €) | Spaten Hell 50 l (+3,50 € bis +5,50 €) |
|---|---|---|
| 0,3 l | +1,2 bis +2,7 Cent | +2,1 bis +3,3 Cent |
| 0,4 l | +1,6 bis +3,6 Cent | +2,8 bis +4,4 Cent |
| 0,5 l | +2,0 bis +4,5 Cent | +3,5 bis +5,5 Cent |
| je 100 × 0,5 l | +2,00 € bis +4,50 € | +3,50 € bis +5,50 € |
Womit gerechnet ist: Erhöhung je Fass laut den beiden Händlerlisten geteilt durch 50 Liter, mal Glasgröße. Mit Schankverlust wird es mehr (Tipp 2: 4,9 statt 4,5 Cent je 0,5 l bei 92 verkauften Gläsern). Steht auf deiner Rechnung ein anderer Betrag, gilt deiner.
Mit deinem eigenen Fasspreis und deinen Gläsern rechnest du hier: blurko.com/rechner/bier — und was eine Erhöhung je Glas und je 100 Gläser kostet, zeigt der Preiserhöhungs-Rechner. Beides kostenlos, ohne Konto.
Termine
| Wann | Was |
|---|---|
| 1. November 2026 | Fassbier von AB InBev teurer, Sinalco teurer (laut Händlerlisten) |
| 9. November 2026 | Anhörung im Finanzausschuss zur Steuer auf Spirituosen und Sekt |
| 10.–12. November 2026 | Brau Beviale, Nürnberg; danach schauen wir nach weiteren Brauerei-Preisbriefen |
| 12. November 2026 | Bereinigungssitzung im Haushaltsausschuss |
| 27. November 2026 | Verabschiedung des Haushalts 2027 im Bundestag geplant |
| 1. Januar 2027 | Steuer auf Spirituosen, Sekt, Likörweine +20 % (geplant) · E-Rechnung für Lieferanten über 800.000 € Umsatz · Beck's Dosen und Perfect Draft teurer (Händler A) |
| 1. Juli 2027 | Zuckersteuer auf Cola, Limo, Sirup (geplant, Start umstritten) |
Quellen (alle abgerufen am 26. oder 27.10.2026)
- Händler A: Horst Lehmann Getränke, „Preiserhöhungen der Lieferanten im Jahr 2026/2027", Stand 26.10.2026 (Fassbier AB InBev zum 01.11.2026, Sinalco, Steueraufschläge und Herstellerankündigungen zum 01.01.2027) — newsletter.horst-lehmann.de/download/preiserhoehungen.pdf
- Händler B: Getränke Heinemann, „Preiserhöhung ab 01.11.2026" (Spalten „Erhöhung" und „empf. LVP Erhöhung") — getraenke-heinemann.com/wp-content/uploads/2026/10/01.-November-2026-.pdf
- inside-getraenke.de vom 03.08.2026, „AB Inbev dreht an Preisschraube — vor allem Fassbier betroffen" (nur Anriss, Bezahlschranke)
- Deutscher Bundestag, Drucksache 21/7860 (Haushaltsbegleitgesetz 2027: Alkoholsteuer 1.303 → 1.564 € je hl reinen Alkohols, Schaumwein 136 → 163 € je hl) · hib 811/2026 (Anhörung Finanzausschuss 09.11.2026) · „Der Weg zum Bundeshaushalt 2027" (12.11., 27.11.) — bundestag.de · NWB vom 14.10.2026 (Termin der 2./3. Lesung des Begleitgesetzes nicht veröffentlicht)
- Deutschlandfunk vom 06.07.2026 und ETL vom 17.09.2026 (Beträge mit Mehrwertsteuer), nachgerechnet
- Bundesministerium der Finanzen, Pressemitteilung vom 14.10.2026 zur Zuckergetränkesteuer — bundesfinanzministerium.de · dpa-AFX vom 14.10.2026 via onvista.de (Hoffmann: „Unser Wunschtermin ist der 1. Januar 2028") · dpa vom 17.10.2026 via zeit.de und deutschlandfunk.de (Frei: Übergangsfristen) · getraenke-news.de vom 19.10.2026 (Kampagne von acht Verbänden) · DEHOGA Berlin vom 22.10.2026
- Statistisches Bundesamt, Pressemitteilung Nr. 374 vom 20.10.2026, „Gastgewerbeumsatz im August 2026 real 1,3 % niedriger als im Vormonat" — destatis.de
- getraenke-news.de vom 20.10.2026 („Bar Convent mit sinkenden Zahlen")
- E-Rechnung: Bayerisches Landesamt für Steuern (lfst.bayern.de), DATEV vom 03.08.2026, IHK Stuttgart vom 15.10.2026 · Metro, „E-Invoice" (metro.de/kunde/online-kundenkonto/e-invoice) · BMF-Schreiben vom 15.10.2026, wiedergegeben bei rsw.beck.de
„Aufs Haus" fasst öffentliche Quellen zusammen. Es ist keine Steuer- oder Rechtsberatung.